Monatsversammlung Februar 2025
Termin: 18.02.2025
Ort: im Sudhaus, Ulricherstraße 23, 59494 Soest
Beginn der Versammlung: 19:30 Uhr
Ende der Versammlung: 21.30 Uhr
1. Begrüßung
Der Vorsitzende Klaus Fischer begrüßt an diesem Abend 26 Vereinsmitglieder. Er erinnert an die am kommenden Samstag stattfindenden Obstbaumschnittlehrgänge im Mitmachgärten am Brunowall und in der Kleingartenanlage Süd. Weiterhin stellt er nochmal in Kürze die in diesem Jahr angebotenen Workshops und Fahrten vor und bittet um Anmeldung in den ausliegenden Listen.
2. Vortrag Petra Salm und Andreas Rödel, ABU Lohne: Insektensterben und wie man Insekten im Garten helfen kann
Petra Salm ist seit 22 Jahren hauptamtliche Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft Biologischer
Umweltschutz im Kreis Soest e.V., kurz ABU. Andreas Rödel engagiert sich als ehrenamtlicher
Mitarbeiter bei der ABU und ist auf Insekten spezialisiert.
- Zahlen aus der Insektenwelt
Zunächst dokumentieren sie die zahlenmäßige Dominanz der Insekten und damit ihre Bedeutung für Ökosysteme. Rund 1 Millionen Insekten sind aktuell weltweit bekannt. Das entspricht 75% aller Tierarten. 35.000 Insekten sind in Deutschland bekannt. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass rd. 1/8 aller Insekten noch unentdeckt sind. - Biologie der Insekten
Frau Salm und Herr Rödel gehen kurz auf die unterschiedlichen Metamorphosen der Insekten ein. Es gibt die sogenannten hemimetabolen Insekten, die durch bis zu 8 Häutungen eine ‚unvollkommene‘ Verwandlung durchleben. Mit jeder Häutung werden sie graduell dem erwachsenen Tier immer ähnlicher. Hierzu zählen z.B. Libellen oder Wanzen. Dann gibt es noch die holometabolen Insekten, die über ein Puppenstadium eine vollständige Verwandlung von einer Larve zu z.B. einem Schmetterling. Käfer oder Biene erfahren.
Aus diesen Ausführungen wird bereits deutlich wie anspruchsvoll und differenziert Insektenschutz sein muss, denn die Tiere haben in ihren vielen Entwicklungsstadien ebenso viele und teils widersprüchliche Ansprüche an ihre Habitate. Und dies zu allen Jahreszeiten. - Lebensräume der Insekten
Käfer finden sich überall auf der Welt. Die Hälfte lebt im Totholz. Dann gibt es noch die Generalisten wie z.B. den Asiatischen Marienkäfer, der zum Überleben nur Blattläuse braucht. In den 70er Jahren zur Schädlingsbekämpfung importiert hat er sich seitdem über ganz Europa ausgebreitet. Es gibt aber auch die Spezialisten wie z.B. den Mattscheckigen Dickkopffalter, der magere Trockenböden und Gräser benötigt und nur dort auch alle Entwicklungsstadien durchläuft. Es wird deutlich, dass Insekten eine große Vielfalt an Lebensräumen mit hohen Qualitäten benötigen, die zudem noch ausreichend groß sind und miteinander vernetzt. - Ökologische Bedeutung der Insekten
Insekten werden zur Bestäubung von Pflanzen benötigt. Sie dienen als Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Sie übernehmen den Abbau von organischem Material sei es pflanzliches oder tierisches wie Aas. Und sie sind ein Teil der Schädlingsregulierung. Ein Rückgang von Insekten kann zum Zusammenbruch von Ökosystemen führen und z.B. in der Landwirtschaft auch ökonomische Folgen haben.➢ Insektensterben
Dass die Anzahl der Insekten rückläufig ist, ist für jeden offenkundig. Tatsächlich liegen hierzu aber noch nicht allzu viele wissenschaftliche Studien vor. Eine erste über 30 Jahre durchgeführte Studie, die 2016 veröffentlicht wurde, ergab einen Rückgang von 75 % des Insektenbestandes. Und dies erschreckenderweise auch in Naturschutzgebieten. 2023 wurde eine Metaanalyse veröffentlicht, die 106 Studien aus aller Welt ausgewertet hat, die den 70-prozentigen Insektenrückgang bestätigt hat. - Ursachen des Insektensterbens
Eine Hauptursache muss in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung gesucht werden. Durch die Flurbereinigungen der 1960er bis 1970er Jahre wurden große und damit effizient zu nutzende Flächen geschaffen. Damit einher gingen aber auch ein hoher Verlust an Feldwegen und Vegetationsrändern und Hecken, die Lebensraum für unzählige Insekten und Vögel waren. Die wenigen verbliebenen dieser Flächen liegen weit auseinander und sind so für viele Arten nicht erreichbar. Hinzu kommt natürlich noch der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden.
Ein weiterer Grund ist der Flächenverbrauch durch Besiedlung für Gewerbe, Straßenbau und Wohnungsbau, der den Lebensraum für Insekten immer weiter einschränkt. Auch der Klimawandel führt zu Verwerfungen in der Insektenpopulation. So wandern einzelne Arten Richtung Norden. Eine Gottesanbeterin wurde z.B. schon am Möhnesee gefunden. Die Veränderungen des Ablaufs der phänologischen Jahreszeiten (z.B. Winter wärmer und kürzer) bringen auch Probleme, wenn Blühzeiten nicht mehr mit den Entwicklungsstadien der Insekten übereinstimmen. Dürren in den Sommermonaten überleben viele Insekten nicht. - Was können wir tun?
Frau Salm und Herr Rödel erläutern, dass größere Schutzbereiche für Insekten geschaffen werden müssen, die über kleinere Trittsteine und Verbindungskorridore verbunden werden. Hier können Gärten eine große Bedeutung zukommen. Nur 31% der Ackerflächen dienen der Nahrungsproduktion. 60% dienen der Futtermittelproduktion oder werden mit Energiepflanzen z.B. Mais bestückt. Durch
Verbraucherveränderungen und veränderte Subventionsziele böten Ackerflächen große Entwicklungspotentiale.
Kommunale Fläche sollten ‚unordentlicher‘ und damit insektenfreundlicher umgestaltet werden. Auch im heimischen Garten kann man Wildnis entstehen lassen und entdecken ‚was passiert‘. Statt Rasen kann sich eine Wiese entwickeln. Heimische Hecken, Sträucher und Stauden in ihren Wildformen sollten gepflanzt werden. Wichtig ist es auch den Insekten verschiedene Strukturen zu schaffen wie z.B. Wasserflächen, freie, unbepflanzte Mulden oder Trockenmauern. Dass möglichst auf den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden verzichtet wird und kein Torf mehr zum Einsatz kommt, wird mittlerweile als Selbstverständlichkeit für jeden Gartenfreund und -freundin
angesehen.
Mit großem Applaus danken die Anwesenden und Klaus Fischer Frau Salm und Herrn Rödel für Ihren klar strukturierten und verständlichen Vortrag.
Gegen 21.30 Uhr schließt Klaus Fischer die Versammlung.
Bettina Dräger-Möller